Saturday, May 12th, 2018 at 5:33pm

Was ist Sterbehilfe und welche Formen gibt es?

Posted by 24hours

Der Tod ist ein Tabuthema – vor allem das Sterben an sich. Niemand möchte daran denken, über seine Angehörigen oder sich selbst bestimmen zu müssen. Ein sterbender Mensch hat jedoch das Recht auf Würde und auf die Möglichkeit, die Welt so zu verlassen, wie er es wünscht. Schließlich kann das Schicksal jeden treffen. Sterbehilfe bedeutet, das Sterben eines unheilbar erkrankten Menschen zu erleichtern. Dies kann auf mehrere Arten erfolgen, die jeweils von den Umständen, dem Wunsch des Patienten und der Vorgehensweise zu unterscheiden sind. Jedoch können die verschiedenen Varianten ethisch jeweils umstritten sein und die Frage nach einer Diskussion aufrufen, wie man als Gesellschaft mit betroffenen Menschen umgeht, die unheilbar erkrankt sind und den Wunsch äußern, zu sterben. Sterbehilfe kann sowohl passiv als auch aktiv geschehen. Sie kann als eine Art Begleitung gesehen werden, um den Patienten im Laufe seines Sterbeprozesses beizustehen. Auf der anderen Seite jedoch kann sie den direkten Tod herbeiführen und den Prozess abbrechen. Im Fokus steht immer die Erlösung vom Leid des unheilbar erkrankten Patienten.

Die passive Sterbehilfe

Die passive Sterbehilfe beinhaltet die Möglichkeit, den Betroffenen menschenwürdig sterben zu lassen. Das bedeutet, dass lebensverlängernde Maßnahmen eingestellt werden. Darunter fallen unter anderem Bluttransfusionen, Beatmungsgeräte, künstliche Ernährung und Medikamentenverabreichung. Aus medizinischer Perspektive steht normalerweise eine kurative Vorgehensweise zum Wohl des Patienten im Vordergrund, die auf Heilung abzielt. Bei schweren Erkrankungen jedoch, die auf den Tod hinauslaufen, werden palliative Methoden gewählt – das heißt, im Fokus steht eine Verbesserung der Lebensqualität während des Sterbens. Es werden keine Reanimationsversuche mehr unternommen und der Patient hat die Möglichkeit, in Würde zu gehen, ohne dass sein Leid unnötig verlängert wird. Wichtig ist hierbei sein Einverständnis. Ethisch gesehen ist die passive Sterbehilfe vertretbar, da sie darauf abzielt, die Würde der betroffenen Person zu bewahren und bei völliger Aussichtslosigkeit human und erlösend erscheint. Wichtig zu betonen ist, dass auf die lebensverlängernden Maßnahmen verzichtet wird – es findet kein direkter Eingriff oder Selbstmord statt.

Die indirekte Sterbehilfe

Eine weitere Form ist die indirekte Sterbehilfe. Sie stellt eine Art Grenzfall dar. Während in der passiven Sterbehilfe Medikamente wie zum Beispiel Antibiotika abgesetzt und auf jegliche Möglichkeiten der künstlichen Ernährung und Beatmung verzichtet werden, wird bei der indirekten Sterbehilfe der Tod des Patienten beschleunigt. Dies geschieht durch einen Eingriff, beispielsweise mit schmerzlindernden Medikamenten, die bei einer hohen Dosierung den Tod herbeiführen. Diese hohe Dosis wird verabreicht, um die Schmerzen des schwererkrankten Patienten zu lindern, was ethisch für Ärzte eigentlich vertretbar ist, jedoch wird auf der anderen Seite auch sein früherer Tod herbeigeführt. Doch ähnlich wie die passive Sterbehilfe ist es eine Methode, den Patienten von seinem Leid zu erlösen. Der Fokus liegt somit auf der Schmerzlinderung der betroffenen Person. Dabei wird das Risiko getragen, den Tod zu beschleunigen. Dies macht die indirekte Sterbehilfe auch zu einem Teil der aktiven Sterbehilfe, die im folgenden Abschnitt erklärt wird.

Die aktive Sterbehilfe

Die aktive oder auch direkte Sterbehilfe hingegen beinhaltet eine gezielte Tötung der betroffenen Person von außen. Dies ist ethisch sehr umstritten – egal ob der Patient ausdrücklich zustimmt oder nicht. Einige Länder wie die Niederlande oder auch Belgien erlauben diese Vorgehensweise unter bestimmten Bedingungen. In der aktiven Sterbehilfe wird der Patient getötet, indem ihm beispielsweise eine Spritze oder auch eine Tablette verabreicht wird. Er bekommt somit ein giftiges Präparat, das ihn ausdrücklich töten soll. Der betroffene Patient kann auch durch eine Überdosis von bestimmten Medikamenten oder eines Narkosemittels sterben. Der Tod wird somit direkt in Kauf genommen. Es ist nicht nur ein eventuell beschleunigtes Sterben wie bei der indirekten Sterbehilfe. Im Fokus steht eine unmittelbare Tötung. Der Unterschied zu der passiven Sterbehilfe ist, dass der Tod durch einen direkten und gezielten Eingriff hervorgerufen wird. Der Sterbeprozess des Patienten wird nicht mehr begleitet und mit bestimmten Methoden verkürzt oder erleichtert, sondern direkt abgebrochen, um den direkten Tod zu ermöglichen.

Beihilfe zur Selbsttötung

Ethisch ebenfalls umstritten, ist die Beihilfe zur Selbsttötung. Diese ist auch bekannt unter dem Begriff assistierter Suizid. Die betroffene Person äußert den Wunsch, Selbstmord zu begehen. Das schafft sie jedoch unter bestimmten Umständen nicht mehr alleine oder sie besteht darauf, Hilfe dafür zu bekommen. Es gibt dabei wie auch bei den anderen Sterbehilfeformen unterschiedliche Herangehensweisen. Eine Person von außen, die wie auch bei der aktiven Sterbehilfe agiert und eingreift, ermöglicht dem Patienten den Selbstmord, indem sie ihm beispielsweise bestimmte Medikamente beschafft, die seinen Tod herbeiführen. Zwar tötet die agierende Person den Patienten nicht direkt, jedoch stellt sie ihm bewusst die Mittel zur Verfügung. Eine weitere Methode, dem Patienten zu helfen, wäre, ihm eine Anleitung zum Suizid aufzutragen – das heißt, ihm zu zeigen, wie er sich selbst töten kann. Oft geschieht die Beihilfe zur Selbsttötung nicht während des Sterbeprozess an sich, also im Krankenhaus oder Hospiz, sondern nach Diagnosen von schweren Erkrankungen. Die Patienten möchten sich das Leid ersparen und hoffen somit auf einen weniger qualvollen Tod.

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